Wege ins Studium
Der zweite, dritte und zig-ste Weg ins Studium und wo sie zu finden sind.
Ein Studium beginnen – das klingt für viele nach einem klaren Weg: Abitur machen, Uni bewerben, loslegen. Doch die Realität ist viel vielfältiger – und glücklicherweise auch inklusiver, als viele denken. In Deutschland führen nämlich zahlreiche Pfade zu einem Hochschulstudium. Einige sind klassisch, andere überraschend, manche speziell auf die Bedürfnisse von Berufstätigen oder Quereinsteiger*innen zugeschnitten. In diesem Artikel erfährst du, wie du – ganz gleich, wo du gerade stehst – deinen Weg ins Studium finden kannst. 🚀
Das Abitur - der klassische Weg
Die allgemein bekannte Route ist das Abitur – die sogenannte allgemeine Hochschulreife. Wer diesen Abschluss an einem Gymnasium, einer Gesamtschule oder beruflichen Schule erworben hat, dem steht die Welt der Studiengänge offen. 💼🎨 Ob du Medizin, Maschinenbau, Philosophie oder Modedesign studieren möchtest – mit dem Abitur kannst du dich an Universitäten und Fachhochschulen frei bewerben. Es ist der direkteste Weg, aber längst nicht der einzige.
Doch was viele nicht wissen: Auch mit anderen Schulabschlüssen oder auf anderen Bildungswegen kannst du studieren – und dabei sogar ganz gezielt deine Interessen und Stärken einbringen.
Die Fachhochschulreife
Wenn du dich während deiner Schulzeit schon auf eine bestimmte Fachrichtung konzentriert hast, kommt vielleicht die fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife für dich infrage. Die fachgebundene Hochschulreife erlaubt dir ein Studium an Hochschulen – jedoch nur in bestimmten Fächern, die zu deiner Fachrichtung passen. Zum Beispiel kannst du an einer technischen Schule Fächer wie Maschinenbau oder Informatik studieren, aber nicht unbedingt Germanistik oder Kunstgeschichte. 🎯
Die Fachhochschulreife (umgangssprachlich oft „Fachabi“ genannt) ermöglicht ein Studium an Fachhochschulen, auch „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“ genannt. Diese Bildungsform legt besonders viel Wert auf Praxisnähe und ist beliebt bei technisch, wirtschaftlich oder sozial ausgerichteten Studieninteressierten.
Das Schöne daran: Diese Abschlüsse lassen sich auch im Rahmen einer Berufsausbildung oder über berufsbildende Schulen erwerben – ideal für alle, die praxisnah denken und dennoch akademisch weiterkommen wollen. 🔧📘
Die Fachhochschulreife setzt sich aus einem schulischen und einem praxisbezogenen beruflichen Teil zusammen. Der schulische Teil wird nach der 11. Klasse an einer höheren Schule erworben, sei es an einem Berufskolleg, einer Fachoberschule, einer Berufsoberschule oder sogar in der Sekundarstufe II.
Der berufsbezogene Part umfasst ein einjähriges (manchmal halbjähriges) Berufspraktikum, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Praktikum in der 11. Jahrgangsstufe der Fachoberschule. In den meisten deutschen Bundesländern berechtigt dies zur Aufnahme eines Studiums an Fachhochschulen, sofern der Notendurchschnitt dem aktuellen NC entspricht.
Aber Achtung: Bayern und Sachsen sind hier die Ausnahmen. In diesen beiden Ländern berechtigt die über die gymnasiale Oberstufe erworbene Fachhochschulreife NICHT zum Studium an den Fachhochschulen.
Studieren ohne Abitur
Der Gedanke, dass ein Studium nur mit Abitur möglich ist, hält sich hartnäckig – ist aber längst überholt. In Deutschland kannst du auch ohne Abi studieren, wenn du über eine qualifizierte Berufsausbildung und entsprechende Berufserfahrung verfügst. Konkret heißt das: Wer eine mindestens zweijährige anerkannte Berufsausbildung abgeschlossen und danach mehrere Jahre Berufserfahrung gesammelt hat, kann – je nach Bundesland – eine Hochschulzugangsberechtigung für ein fachlich passendes Studium erhalten. Das bedeutet, du kannst dann beispielsweise nach einer Ausbildung als Bankkaufmann oder -frau ein Studium der Betriebswirtschaft aufnehmen.
In einigen Fällen muss zusätzlich eine Zugangsprüfung bestanden oder ein Probestudium absolviert werden. Doch der Aufwand lohnt sich – vor allem, weil viele Hochschulen diese Wege inzwischen gezielt fördern, um mehr Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu ermöglichen.
Besonders attraktiv ist auch der Weg über Aufstiegsfortbildungen wie den Meister, den Fachwirt oder den staatlich geprüften Techniker. Wer eine solche Fortbildung erfolgreich abgeschlossen hat, besitzt in vielen Bundesländern automatisch die allgemeine Hochschulreife – also das volle Ticket für jedes Studienfach. ✨
Das duale Studium
Für viele junge Menschen ist das duale Studium eine perfekte Verbindung von Lernen und Arbeiten. 🎓👨🏭
Dabei kombinierst du ein Hochschulstudium mit praktischen Phasen in einem Unternehmen. Diese Studienform ist besonders beliebt, weil du schon während des Studiums Berufserfahrung sammelst, Gehalt bekommst und oft sogar die Aussicht auf eine Festanstellung nach dem Abschluss hast.
Es gibt zwei Hauptmodelle:
🧳Beim ausbildungsintegrierenden dualen Studium absolvierst du parallel eine anerkannte Berufsausbildung und ein Studium. Am Ende hast du also gleich zwei Abschlüsse in der Tasche – einen akademischen und einen beruflichen
📚 Beim praxisintegrierenden dualen Studium liegt der Fokus auf intensiven Praxisphasen im Unternehmen, aber ohne klassische Berufsausbildung. Hier steht die Anwendung des Gelernten in realen Projekten im Mittelpunkt.
Ein duales Studium ist anspruchsvoll – aber es lohnt sich besonders für Menschen, die sowohl akademisch als auch praktisch denken und handeln wollen. ⚖️
Du möchtest mehr zum dualen Studium wissen? Dann schau doch auch einmal hier.
der zweite Bildungsweg
Du hast die Schule vor Jahren verlassen und willst jetzt studieren? Kein Problem – der sogenannte zweite Bildungsweg macht es möglich. 📖
Hier können Erwachsene – berufstätig oder nicht – alle gängigen Schulabschlüsse nachholen, einschließlich Fachhochschulreife und Abitur. Den zweiten Bildungsweg kannst du beispielsweise über folgende Einrichtungen einschlagen:
🌑 Abendgymnasien bieten Unterricht in den Abendstunden für Berufstätige an. Nach mehreren Semestern kannst du das Abitur erwerben.
💼 Kollegs richten sich an Vollzeitlerner*innen und ermöglichen einen schnelleren, intensiveren Weg zur Hochschulreife.
🎒 Berufsoberschulen oder Fachoberschulen (je nach Bundesland) kombinieren praktisches Vorwissen mit schulischer Weiterbildung – ideal für Berufserfahrene.
Der zweite Bildungsweg ist ein starkes Zeichen dafür, dass Bildung keine Altersgrenze kennt. Viele Menschen nutzen ihn als Türöffner in neue Karrierewege oder zur persönlichen Weiterentwicklung. Und, ist das auch eine Option für dich?
Orientierung finden
Zwischen all den Wegen, Abschlüssen und Möglichkeiten stellt sich irgendwann die zentrale Frage: Was soll ich überhaupt studieren?
Diese Entscheidung ist nicht immer leicht. Es hilft, sich mit den eigenen Interessen, Werten, Stärken und Zukunftswünschen auseinanderzusetzen. Magst du Zahlen? Arbeitest du gerne mit Menschen? Liebst du kreative Prozesse oder technische Systeme?
Oder genauer gefragt: Was willst du werden?
Studienberatungsstellen, psychologische Tests, Erfahrungsberichte von Studierenden oder Gespräche mit Menschen aus deinem Umfeld können dabei helfen, Klarheit zu gewinnen. Auch ein Praktikum oder freiwilliges soziales Jahr kann helfen, Orientierung zu finden. Manchmal ist ein kleiner Umweg genau das, was am Ende zu deinem idealen Studienfach führt. 🎯
Du bestimmst den Weg
Ob über das klassische Abitur, eine berufliche Ausbildung, einen Meistertitel oder den zweiten Bildungsweg – in Deutschland gibt es viele realistische, erreichbare Wege ins Studium. Und sie alle haben eins gemeinsam: Sie starten mit dem Mut, den ersten Schritt zu gehen.
Mach dir bewusst: Dein Bildungsweg muss nicht linear sein, um erfolgreich zu sein. Jede Erfahrung, jeder Abschluss, jeder Umweg kann wertvoll sein. Vielleicht beginnt dein Studium nicht direkt nach der Schule – sondern mit 25, mit 40 oder nach einer beruflichen Wende. Und das ist völlig okay. 🍀
Denn am Ende zählt nicht, wann du ins Studium startest – sondern dass du deinen eigenen Weg findest. Und der kann so bunt und vielfältig sein wie du selbst. 🎨
Und weißt du was? Wenn Plan A nicht klappt, gibt es noch ein ganzes Alphabet voller Pläne für dich.